Tubolito aus Wien baut Fahrradschläuche aus TPU statt Gummi. Was der S Tubo

von Robert Langer

Schläuche aus Kunststoff statt Gummi, leichter, kleiner und trotzdem robust? Wir erklären, was TPU-Schläuche können, wo ihre Grenzen liegen und wer auf sie schwört. Und wir stellen Tubolito vor, den Wiener Hersteller, der die orangen Leichtgewichte bekannt gemacht hat.

In unserem Vergleich Tubeless gegen Schlauch tauchte er schon als Mittelweg auf: der TPU-Schlauch. Wer keine Lust auf Dichtmilch hat, aber trotzdem Gewicht sparen will, landet früher oder später bei diesen orangen Leichtgewichten. Zeit, genauer hinzuschauen: Was ist TPU überhaupt, was bringt es im Alltag, und für wen lohnt es sich?

Der bekannteste Name dahinter ist Tubolito aus Wien. Die Firma unterstützt auch unsere #MTBlive Weihnachtsshow, dazu am Ende mehr. Im Mittelpunkt steht hier aber das Material.

Wer hinter Tubolito steckt

Tubolito ist ein Unternehmen aus Wien, gegründet 2016. Hinter der Marke stehen zwei Gründer, die bis heute gemeinsam die Geschäftsführung bilden. Auf der Firmenseite stellt sich inzwischen ein Team aus 17 Leuten vor, von der Entwicklung über die Prozesstechnik bis zum Vertrieb.

Die Geschichte beginnt nicht am Bike, sondern im Labor. Die beiden Techniker und Mountainbiker Ákos Kertész und Christian Lembacher hatten mit TPU gearbeitet, einem Kunststoff, der unter anderem für dünne, belastbare Membranen in Smartphone-Lautsprechern entwickelt wurde. Ihre Frage war simpel: Warum besteht ein Fahrradschlauch eigentlich immer noch aus demselben Gummi wie vor Jahrzehnten? Weil es für TPU-Schläuche weder passende Maschinen noch Standards gab, haben die beiden Fertigung und Anlagen nach eigenen Angaben selbst entwickelt. Das Herstellungsverfahren ist patentiert.

Tubolito sieht sich selbst als Pionier der TPU-Schläuche. Inzwischen haben auch große Reifenhersteller eigene TPU-Modelle im Programm. Die orangen Schläuche aus Wien fahren unter anderem der österreichische Trial- und Stunt-Profi Gabriel Wibmer und BMX-Freestyle-Olympiasiegerin Charlotte Worthington.

Die Frage der Gründer war simpel: Warum ist ein Fahrradschlauch eigentlich immer noch aus Gummi?

Was ist TPU, und warum ist das anders als Gummi?

Ein klassischer Schlauch besteht aus Butyl, einem synthetischen Gummi. Er ist günstig, dehnbar und verzeiht viel, ist aber vergleichsweise schwer. Ein normaler 29-Zoll-Butylschlauch wiegt um die 200 Gramm, in einem unabhängigen Rollwiderstandstest lag ein Standardmodell bei 228 Gramm.

TPU steht für thermoplastisches Polyurethan, ein Kunststoff, der auch in der Autoindustrie, der Medizintechnik oder im 3D-Druck steckt. Daraus lassen sich sehr dünne und trotzdem zähe Wände herstellen. Das Ergebnis: Ein TPU-Schlauch wiegt nur einen Bruchteil, lässt sich auf Taschenformat zusammenrollen und hält laut Hersteller die Luft ähnlich gut wie Butyl. Beim Rollwiderstand, vereinfacht gesagt der Kraft, die der Reifen beim Abrollen „schluckt“, kommt es auf die Wandstärke an: Im unabhängigen Labortest lag der dünnwandige S-Tubo etwa gleichauf mit einem leichten Butylschlauch, der dickere Tubo-MTB dagegen leicht hinter einem normalen Butylschlauch. TPU ist also vor allem leichter und kleiner, nicht automatisch schneller.

TPU verhält sich aber anders als Gummi. Er dehnt sich weniger, verträgt keine Hitze wie von einer Felgenbremse und braucht eigene Flicken. Dazu gleich mehr.

Drei Linien, drei Aufgaben

Tubolito unterscheidet bei seinen Schläuchen drei Grundtypen. Wer das einmal verstanden hat, kauft nicht aus Versehen den falschen:

  • Tubo: Der Alltagsschlauch. Beim MTB-Modell wiegt er je nach Größe 78 bis 92 Gramm und soll laut Hersteller robuster sein als ein normaler Butylschlauch.
  • S-Tubo: Die Leichtbauvariante mit dünnerer Wand, ausdrücklich als Ersatzschlauch gedacht. Im Nadelstichtest liegt er laut Hersteller etwa auf dem Niveau eines deutlich schwereren Butylschlauchs, nicht darüber.
  • X-Tubo: Der Pannenschutz-Schlauch für Alltag, E-Bike und Gravel. Wer ihn auf der Herstellerseite registriert, bekommt ein Jahr lang Ersatz.

Für breite Reifen von 2,5 bis 3,0 Zoll gibt es zusätzlich den Tubo-MTB-Plus, den Tubolito auch für E-MTBs empfiehlt. Dazu kommen Schläuche für Rennrad, Gravel, BMX und Faltrad, seit diesem Jahr auch für die neuen 32-Zoll-Laufräder, und ein Rennradschlauch mit eingebautem Bluetooth-Drucksensor.

Am Beispiel: Wie leicht TPU sein kann

Wie viel Gewicht TPU sparen kann, zeigt das Leichtgewicht der Reihe, der S-Tubo-MTB für 27,5 und 29 Zoll. Die Eckdaten laut Hersteller:

  • Gewicht: 43 Gramm (27,5/29 Zoll)
  • Reifenbreite: 1,8 bis 2,5 Zoll
  • Ventil: Presta (französisches Ventil, Sclaverand), 42 Millimeter
  • Nur für Scheibenbremsen
  • Preis im Herstellershop: 29,95 Euro

Zum Vergleich: Ein normaler Butylschlauch in 29 Zoll wiegt rund 200 bis 230 Gramm. Der S-Tubo spart also gut 150 bis 185 Gramm pro Laufrad, am Bike mit zwei Schläuchen sind das zusammen über 300 Gramm. Zusammengerollt ist er etwa so groß wie eine Streichholzschachtel.

Bis zu 185 Gramm weniger pro Laufrad, und das an der Stelle, die sich beim Beschleunigen am stärksten bemerkbar macht.

Warum ist das relevant? Gewicht am Laufrad dreht sich mit. Jedes Gramm, das am Reifen weniger rotiert, merkt man beim Antreten und Beschleunigen stärker als ein Gramm am Rahmen. Dazu kommt: Beim Rollwiderstand liegt der S-Tubo-MTB im unabhängigen Labortest auf dem Niveau eines leichten Butylschlauchs, bei niedrigem Luftdruck sogar leicht darunter.

Stärken und Grenzen

Wo TPU-Schläuche punkten

  • Gewicht: Ein Bruchteil eines Butylschlauchs, vor allem bei 29 Zoll ein spürbarer Unterschied.
  • Packmaß: Zusammengerollt kaum größer als ein Riegel. Passt in die Trikottasche, ins Tool-Fach am Rahmen oder in die Hüfttasche.
  • Notschlauch für Tubeless: Laut Hersteller machen ihm Reste von Dichtmilch nichts aus. Genau deshalb landet er bei vielen Tubeless-Fahrern als Reserve im Rucksack.
  • Luft halten: Laut Herstellerangaben verliert er ähnlich langsam Luft wie Butyl, anders als etwa Latexschläuche.

Was man wissen sollte

  • Preis: Ein einfacher Butylschlauch kostet oft nur 5 bis 10 Euro. Der S-Tubo liegt beim Hersteller bei 29,95 Euro, im Handel teils darunter.
  • Nur Scheibenbremse: Felgenbremsen heizen die Felge auf, das verträgt der Kunststoff nicht. Für die meisten aktuellen MTBs ist das kein Thema, für ältere Bikes schon.
  • Eigene Flicken: Normale Flickzeug-Sets für Gummischläuche halten auf TPU nicht. Tubolito bietet ein eigenes Patch-Kit an. Wer unterwegs flicken will, muss das passende Set dabeihaben.
  • Montage mit Gefühl: Außerhalb des Reifens darf der Schlauch laut Hersteller mit höchstens 0,5 bar aufgepumpt werden, sonst verformt er sich. Wer ihn beim Aufziehen zwischen Reifen und Felge einklemmt, hat schnell ein Loch.
  • S-Tubo ist kein Panzer: Der Pannenschutz entspricht laut Hersteller etwa dem eines normalen Butylschlauchs. Wer Durchstiche fürchtet, ist mit Tubo oder X-Tubo besser bedient.

Wer auf die orangen Schläuche schwört

Schaut man sich durch Foren und Kommentarspalten, zeichnen sich drei Gruppen ab. Die größte sind Tubeless-Fahrer, die einen Notschlauch dabeihaben wollen, ohne einen 200-Gramm-Klumpen herumzutragen. Viele berichten, dass der orange Schlauch jahrelang ungenutzt im Fach liegt und im Ernstfall einfach funktioniert hat.

Die zweite Gruppe sind Marathon-, XC- und Bikepacking-Fahrer, die jedes Gramm und jeden Zentimeter Stauraum zählen. Die dritte sind Fahrer, die bewusst beim Schlauch bleiben, weil sie keine Dichtmilch pflegen wollen, aber trotzdem Gewicht sparen möchten. Für sie ist TPU der Mittelweg, den wir schon im Vergleich Tubeless gegen Schlauch beschrieben haben.

Es gibt aber auch kritische Stimmen. Rider berichten in einschlägigen Foren vor allem von Problemen am Ventil, das bei TPU-Schläuchen aus Kunststoff besteht und nach ihren Erfahrungen empfindlicher ist als ein Metallventil. Andere hatten Schwierigkeiten beim Flicken, meist dann, wenn sie es mit normalem Flickzeug versucht haben. Und manche halten den Preis für einen Schlauch, den man vielleicht nie braucht, schlicht für zu hoch.

Tubolito aus Wien baut Fahrradschläuche aus TPU statt Gummi. Was der S Tubo MTB
Viele Tubeless-Fahrer haben ihn jahrelang ungenutzt dabei. Wenn es dann so weit ist, soll er einfach funktionieren.

Unser Test: ein Satz am Santa Cruz Heckler

Wir lassen es nicht bei Datenblättern. Ein Satz Tubolito-Schläuche wandert an unser Santa Cruz Heckler und wird in der nächsten Sommerstaffel von #MTBlife im echten Einsatz gefahren und dokumentiert.

Für den Test haben wir uns bewusst für den Tubo-MTB-Plus entschieden. Das Heckler ist ein E-MTB, und genau dafür empfiehlt Tubolito die Plus-Variante: Sie ist für Reifen von 2,5 bis 3,0 Zoll gemacht, wiegt laut Hersteller 101 Gramm und soll doppelt so pannensicher sein wie ein normaler Butylschlauch. Uns interessiert die Frage, die viele Einsteiger umtreibt: Taugt TPU nicht nur als leichter Notschlauch, sondern als Dauerlösung an einem schweren Bike, auf Touren, Trails und im Bikepark? Das Ergebnis zeigen wir in der Sommerstaffel, ohne Schönfärben und ohne Verriss.

Das Gewinnspiel

Vier Päckchen mit dem S-Tubo-MTB für 27,5 und 29 Zoll werden live in der #MTBlive Weihnachtsshow am 26. Dezember 2026 auf dem YouTube-Kanal der Radical Life Studios verlost. Wie du mitmachst, erfährst du in der Sendung. Die Teilnahmebedingungen findest du unter radicallifestudios.de/gewinnspiel.

Die Gewinnspielpreise wurden von Tubolito zur Verfügung gestellt. Auf den redaktionellen Inhalt hatte das Unternehmen keinen Einfluss.

Ist es seinen Preis wert?

TPU-Schläuche kosten im Handel meist zwischen 20 und 30 Euro, ein einfacher Butylschlauch oft nur 5 bis 10 Euro. Das klingt erst einmal nach viel Aufpreis, besonders, wenn der Schlauch als Reserve im Rucksack liegt und im besten Fall nie zum Einsatz kommt. Wer selten fährt, Forstwege bevorzugt und Gewicht egal findet, braucht ihn nicht.

Rechnet man anders herum, sieht es freundlicher aus: Beim S-Tubo sind es gut 150 bis 185 Gramm pro Laufrad für 30 Euro, das ist im Leichtbau ein vergleichsweise günstiges Gramm. Bei Laufrädern, Kurbeln oder Carbon-Teilen zahlt man für dieselbe Ersparnis meist ein Vielfaches. Die eigentliche Frage ist also nicht, ob TPU gut ist, sondern welche Rolle der Schlauch bei dir spielen soll: Notschlauch, Gewichtstuning oder robuster Dauerschlauch.

Kurzurteil

  • Geht auf für Tubeless-Fahrer, die einen leichten, kleinen Notschlauch suchen.
  • Geht auf für Schlauchfahrer, die Gewicht sparen wollen und mit dem passenden Flickzeug unterwegs sind.
  • Offene Frage: Hält TPU am E-MTB im Dauereinsatz, auf Touren, Trails und im Bikepark? Die Antwort liefert unser Test in der Sommerstaffel.

Fährst du TPU-Schläuche, als Notschlauch oder dauerhaft? Schreib deine Erfahrungen in die Kommentare, gerade zum Ventil und zum Flicken unterwegs. Das hilft anderen, und wir nehmen eure Punkte mit in den Test.

Published by Radical Life Studios / MTB Report


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