Am 27. November ist Black Friday. Für die meisten Produkte bringt er weniger, als die roten Prozentzeichen versprechen. Bei E-Bikes sieht es anders aus. Wir haben uns angeschaut, warum das so ist, wo die echten Deals liegen und warum ausgerechnet der größte Rabatt manchmal das größte Risiko ist.
von Robert Langer
Was die Zahlen sagen
Der Preisvergleicher idealo hat für den Black Friday 2024 mehr als 10.000 Produkte aus den 100 beliebtesten Kategorien mit den Preisen im Oktober verglichen. Drei von vier Produkten waren am Aktionstag tatsächlich günstiger. Im Schnitt lag die Ersparnis aber nur bei 7 Prozent, und nur jedes zehnte Produkt war um 20 Prozent oder mehr reduziert.
Eine Kategorie fällt aus der Reihe: E-Bikes. Hier sanken die Preise im Schnitt um 15 Prozent, das waren rund 401 Euro. Das war der höchste Nachlass in Euro über alle untersuchten Kategorien und mehr als das Doppelte des Durchschnitts.
Und noch ein Befund ist wichtig: Systematisch hochgesetzte Preise vor dem Aktionstag fand idealo in den beliebtesten Kategorien nicht. Die Preise sinken eher schon ab Anfang November. Schon für 2023 hatte die Auswertung gezeigt, dass mehr als die Hälfte der Produkte an einem anderen Novembertag günstiger war als am Black Friday selbst.
| Der Black Friday macht den Rabatt nicht. Er fällt nur in die Zeit, in der Händler ohnehin Platz für das neue Modelljahr brauchen. |
Warum ausgerechnet Bikes
Bikes sind groß, teuer zu lagern und haben ein Modelljahr. Im Herbst stehen die Nachfolger schon in den Shops, die 2027er Modelle sind bereits gelistet. Die 2026er müssen raus, und genau dieses Abverkaufsfenster deckt sich mit der Black Week.
Das heißt auch: Der Rabatt ist nicht an den einen Freitag gebunden. Schon im September gab es bei Händlern Aktionen mit 20 Prozent auf alle 2026er Modelle. Für das laufende Modelljahr sind 10 bis 20 Prozent im Handel üblich, auf Vorjahresmodelle oft mehr.
Ein Tipp für Einsteiger: Ein neues Modelljahr bedeutet oft nur neue Farben oder kleine Ausstattungsänderungen. Schau nach, was sich am 2027er wirklich geändert hat. Ist es nur der Lack, ist das 2026er Bike mit Rabatt meist die klügere Wahl.
Was ein Prozentwert wirklich verrät
Seit Mai 2022 gilt in Deutschland die sogenannte 30-Tage-Regel: Wirbt ein Händler mit einer Preissenkung, muss er seinen eigenen niedrigsten Preis der letzten 30 Tage angeben, und der Rabatt muss sich darauf beziehen. Der Bundesgerichtshof hat 2025 klargestellt, dass dieser Preis gut lesbar sein muss und nicht im Kleingedruckten verschwinden darf.
Anders sieht es aus, wenn der Händler mit der unverbindlichen Preisempfehlung des Herstellers vergleicht, der UVP. Ob dann auch der 30-Tage-Preis genannt werden muss, ist umstritten. Ein Oberlandesgericht hat das im Juni 2026 verneint, ein Landgericht kurz danach anders entschieden. Klären soll es nun der Bundesgerichtshof.
Für dich als Käufer zählt etwas anderes: „Minus 40 Prozent auf die UVP“ sagt nichts darüber, was das Bike zuletzt wirklich gekostet hat. Es kann schon seit Monaten zu genau diesem Preis im Netz stehen. Vergleiche deshalb immer mit dem echten Marktpreis.
Die Zeit der Dauerrabatte geht zu Ende
Nach dem Corona-Boom saßen Hersteller und Händler auf vollen Lagern. Laut den Marktdaten des Industrieverbands ZIV sank der durchschnittliche Verkaufspreis eines E-Bikes 2025 durch Rabattaktionen von 2.650 auf 2.550 Euro. Klassische Räder ohne Motor blieben dagegen stabil bei rund 500 Euro.
Inzwischen dreht sich das Bild. Der ZIV erwartet, dass die Lager bis Ende 2026 wieder ein normales Niveau erreichen. In seiner Halbjahresbilanz im September meldete der Verband, die Überhänge seien größtenteils abgebaut, der Absatz legte um knapp 10 Prozent zu.
Was bedeutet das für die Preise? Das ist eine Einschätzung, keine gemessene Zahl: Bei gefragten Topmodellen dürften die Rabatte kleiner werden. Erste Hinweise gibt es schon, bei Händleraktionen im Herbst waren besonders begehrte High-End-Modelle teils ausgenommen. Gleichzeitig kämpfen viele Firmen weiter um jeden Euro in der Kasse. Wer dringend Geld braucht, verkauft auch weiterhin mit Abschlag, vor allem Lagerware und Auslaufmodelle.
Wenn der Hersteller wackelt
Die größten Nachlässe gibt es oft dort, wo es einer Firma schlecht geht. Die deutschen Gesellschaften des Accell-Konzerns, zu dem Haibike, Ghost und Winora gehören, sind seit August 2026 in einem Insolvenzverfahren in Eigenverwaltung. Der Betrieb läuft weiter, ein Käufer steht noch nicht fest. Im Konzernumfeld werden bereits Restbestände verwertet, in der Schweiz kommen über 100 neue E-Bikes unter den Hammer.
Ein solches Bike kann ein guter Kauf sein. Es kann aber auch teuer werden, wenn später Teile fehlen. Wie das aussieht, haben YT-Kunden nach der Insolvenz 2025 erlebt: Fahrer berichteten in Foren, dass Ersatzteile nicht mehr lieferbar waren und der Kundenservice stockte. In Nordamerika standen Kunden monatelang ohne Garantie da. Inzwischen hat YT neu gestartet und verspricht Garantie und Ersatzteile für alle gängigen Modelle. Es ist also gut ausgegangen, aber die Monate dazwischen haben die Kunden getragen.
| Die entscheidende Frage ist nicht, ob die Marke pleite ist, sondern ob du Lager und Schaltauge heute noch bestellen kannst. |
Dabei hilft eine einfache Unterscheidung. Gabel, Dämpfer, Schaltung, Bremsen und Laufräder sind Standardteile, die du überall bekommst. Auch der Motor ist meist kein Problem: Er stammt in der Regel von Zulieferern wie Bosch oder Shimano, die ihre eigene Garantie über den Fachhandel abwickeln. Kritisch sind die Teile, die nur die Marke selbst liefert: Rahmen, Hinterbaulager, Wippen und Hebel, Dämpferbuchsen, Akku-Abdeckungen, integrierte Cockpits und das Schaltauge, sofern das Bike keinen universellen Standard nutzt (UDH).
Was dir rechtlich bleibt, wenn ein Hersteller insolvent ist, erklären wir ausführlich im Ratgeber „Hersteller pleite, Bike noch da“.
Was du vor dem Kauf prüfen solltest
- Preisverlauf: Viele Preisvergleichsportale zeigen, wie sich ein Preis in den letzten Monaten entwickelt hat. So siehst du, ob der Black-Friday-Preis wirklich ein Tiefpunkt ist.
- Marktpreis statt UVP: Vergleiche mit dem, was das Bike bei anderen Händlern tatsächlich kostet.
- Größe vor Preis: Ein Bike in der falschen Rahmengröße ist nie ein Schnäppchen. Probefahren, wenn irgendwie möglich.
- Ersatzteile: Frag beim Händler, ob Hinterbaulager und Schaltauge lieferbar sind und was sie kosten. Bei Marken in der Insolvenz ist das die wichtigste Frage.
- Händler: Deine gesetzliche Gewährleistung hast du zwei Jahre lang beim Händler, nicht beim Hersteller. Nach dem ersten Jahr musst du allerdings belegen, dass ein Mangel schon beim Kauf da war, und Verschleiß ist nie abgedeckt. Kauf bei jemandem, dem du zutraust, in zwei Jahren noch da zu sein.
- Online gekauft: Du hast 14 Tage Widerrufsrecht. Kläre vorher, wer die Rücksendung zahlt, beim Bike kann das teuer werden. Im Laden gibt es kein gesetzliches Rückgaberecht.
Bei Zubehör und Verschleißteilen wie Helm, Schuhen, Reifen, Ketten oder Bremsbelägen lohnt der Blick in die Black Week vor allem dann, wenn du die Sachen ohnehin brauchst und den normalen Preis kennst. Dann erkennst du einen echten Deal sofort.
Geht die Rechnung auf?
Der Black Friday ist für die meisten Produkte ein kleiner Rabatt mit großer Werbung. Bei Bikes ist er mehr, aber nicht wegen des Aktionstags, sondern weil er in den Modellwechsel fällt. Wer das weiß, kann auch schon vorher oder danach zuschlagen. Und weil die Lager leerer werden, dürfte die Zeit der Dauerrabatte bei gefragten Bikes enden. Die richtig großen Nachlässe bleiben dort, wo das Ersatzteilrisiko am höchsten ist.
Geht auf für Zubehör, Verschleißteile und 2026er Bikes mit gesicherter Ersatzteilversorgung.
Hast du schon mal ein echtes Black-Friday-Schnäppchen fürs Bike gemacht, oder bist du auf einen Scheinrabatt reingefallen? Schreib es unten in die Kommentare.
Published by Radical Life Studios / MTB Report
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