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von Robert Langer

In Österreich ist Mountainbiken im Wald ohne Zustimmung der Eigentümer verboten, selbst auf der Forststraße. Ein Volksbegehren will das ändern und fordert ein Wegerecht wie für Wanderer. Für deutsche Urlauber wäre das eine große Änderung. Doch die Zeit läuft ab, und die Unterschriften reichen bisher nicht.

Was in Österreich im Wald gilt, erklären wir in unserem Artikel „Biken im Österreich-Urlaub: Warum du auf der Forststraße oft nicht fahren darfst“. Stand: 29. Oktober 2026.

Worum es geht

In Deutschland ist Radfahren auf Waldwegen nach dem Bundeswaldgesetz grundsätzlich erlaubt. In Österreich braucht man dafür die Zustimmung des Eigentümers, und legale Strecken entstehen fast nur über Verträge mit Gemeinden und Tourismusverbänden. Das Volksbegehren „Mountainbiken Freies WEGERECHT“ will das umdrehen: Radfahren auf bestehenden forstlich genutzten oder ausreichend breiten Wegen soll ohne Zustimmung erlaubt sein, analog zum Wandern. Fußgänger sollen Vorrang behalten, neue Wege nur mit Einwilligung des Eigentümers entstehen und Schutzzonen für sensible Gebiete möglich bleiben.

Initiator ist Gerald Simon aus Niederösterreich, gelernter Förster, Politikwissenschafter und Mountainbiker seit 1984. Registriert hat er das Volksbegehren im April 2025. Schon 2007 hatte er mit einer Bürgerinitiative rund 21.000 Unterschriften gesammelt, behandelt wurde sie im Parlament nie.

Wie ein Volksbegehren in Österreich funktioniert

Anders als bei einer Online-Petition in Deutschland folgt ein österreichisches Volksbegehren festen Regeln. Erst werden Unterstützungserklärungen gesammelt, mindestens 8.969. Dann stellen die Initiatoren den Einleitungsantrag, und das Innenministerium legt eine achttägige Eintragungswoche fest. Ab 100.000 Unterschriften insgesamt muss sich der Nationalrat damit befassen, ein Gesetz erzwingt das aber nicht. Unterschreiben dürfen nur Wahlberechtigte in Österreich. Deutsche Urlauber können das Volksbegehren also nicht unterstützen.

Zum Vergleich: Die Petition gegen die 2-Meter-Regel in Baden-Württemberg kam 2013 auf rund 58.000 Unterschriften und wurde trotzdem abgelehnt. In Österreich würde selbst diese Zahl nicht reichen, um das Parlament zur Behandlung zu verpflichten.

Warum es eng wird

Nach Simons Angaben im Gespräch mit dem MTB Report hat das Volksbegehren Ende Oktober rund 30.000 Unterstützer. Selbst in einer Eintragungswoche rechnet er nur mit weiteren 10.000 bis 20.000. Bis 100.000 fehlt also viel. Dazu kommt eine harte Frist: Wird bis zum 31. Dezember 2026 kein Einleitungsantrag gestellt, wird die Registrierung samt aller Unterstützungserklärungen gelöscht. Laut dem Amtsportal des Bundes war das Volksbegehren am 23. Oktober 2026 noch in der Unterstützungsphase.

Simon wird den Antrag nach eigener Aussage nur stellen, wenn genügend Unterstützer zusammenkommen, und das ist derzeit nicht der Fall. Bleibt es dabei, läuft das Volksbegehren Ende 2026 aus, ohne dass es überhaupt eine Eintragungswoche gibt.

Simon sieht das realistisch, nicht resigniert. Selbst mit 100.000 Unterschriften wäre ein Erfolg aus seiner Sicht unsicher, weil er erwartet, dass die Regierungsparteien ÖVP und NEOS eher im Sinne der Eigentümer entscheiden würden. Diese Parteien haben wir dazu nicht befragt. Ihm fehlt ein organisiertes Gegengewicht zur Lobby von Jagd und Grundbesitz.

Gäste werden mit dem Rad angelockt, dürfen im Wald außerhalb der Routen aber nicht fahren. Diesen Widerspruch will der Initiator auflösen.

Der andere Weg: Strategie statt Gesetz

Parallel arbeitet Österreich an einer bundesweiten Mountainbike-Strategie, die bis Ende 2026 vorliegen soll. Getragen wird sie von vier Bundesministerien und den Ländern, koordiniert von der KONNEKT GmbH mit Thorsten Schmitz und Karl Morgenbesser, dem Gründer der Wexl Trails. Die Koordination arbeitet ausdrücklich innerhalb des bestehenden Rechtsrahmens und schafft keine neuen Gesetze. Der Österreichische Alpenverein setzt auf diesen Prozess und kritisiert, dass das Volksbegehren nicht mit den Interessenvertretungen abgestimmt sei. Die Radlobby Österreich unterstützt dagegen das Volksbegehren, die Naturfreunde fordern seit Jahren freie Forststraßen.

Was das für dich als Urlauber heißt

Kurzfristig ändert sich nichts. Stand heute gilt in Österreich: Fahren nur auf ausgeschilderten Routen und in Bikeparks. Mittelfristig lohnt der Blick auf die Bundesstrategie. Sie entscheidet mit, ob mehr Forststraßen und Trails per Vertrag freigegeben werden. Dass Österreich das Prinzip umdreht und Radfahren im Wald grundsätzlich erlaubt, ist dagegen derzeit nicht absehbar.

Warum das so ist

Die Debatte in Österreich ähnelt der in Baden-Württemberg mehr, als es auf den ersten Blick scheint. Hier wie dort steht eine starke Allianz aus Eigentümern, Jagd und Forst einer Radszene gegenüber, die sich uneinig ist, ob sie auf ein neues Gesetz oder auf Lösungen vor Ort setzen soll. Und hier wie dort reagiert die Politik mit Strategien und Runden Tischen statt mit einer Gesetzesänderung. Das Volksbegehren zeigt, wie schwer es ist, diesen Weg mit wenigen Leuten und eigenem Geld zu ändern.

Bringt die österreichische Bundesstrategie mehr freie Wege, oder bleibt alles beim Vertragsmodell?

Published by Radical Life Studios / MTB Report


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