Brandnertal Die Bahn, die dein Bike in die eigene Kabine hängt (4)

Gestern Regen, heute Sonne, und eine Gondel, die dein Bike ganz selbstverständlich in die eigene Kabine hängt. Im Brandnertal hat sich beim Thema Raufkommen gerade richtig was getan. In unserer neuen #MTBlife Folge S04E21 fahre ich eine komplette Runde ohne Auto: von Brand über die Panoramabahn in den Bikepark nach Bürserberg, durch fünf Trails im Park und auf dem Trail wieder zurück ins Dorf. Hier bekommst du den ganzen Überblick, auch über das, was im Video keinen Platz hatte.

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Ein Tal, das sich freigebrannt hat

Das Brandnertal liegt im Süden Vorarlbergs und steigt von Bürs bei Bludenz über Bürserberg bis nach Brand auf gut tausend Meter an. Ganz hinten im Tal, am Fuß der Schesaplana, liegt Brand, und der Name ist kein Zufall. Er kommt tatsächlich von brennen. Im 14. Jahrhundert wanderten die Walser aus dem Wallis ein und brannten sich den Wald frei, um da Landwirtschaft zu betreiben, wo eigentlich keiner leben wollte. Die Kirche im alten Ortskern steht an der Stelle, an der sie schon 1410 eine Kapelle gebaut haben.

Wie abgelegen das Tal über Jahrhunderte war, zeigt eine einzige Jahreszahl: Eine richtige Straße nach Brand gibt es erst seit 1930. Bis dahin bist du hier zu Fuß rein. Heute steigst du unten in eine Gondel und bist ein paar Minuten später oben. Und genau diese Geschichte vom Raufkommen zieht sich durch die ganze Folge.

Die Runde: Brand, Panoramabahn, Bürserberg

Die Tour startet an der Dorfbahn in Brand. Oben wartet die Panoramabahn, eine Pendelbahn, die Brand und Bürserberg miteinander verbindet. Dazwischen hängt das Seil auf anderthalb Kilometern frei in der Luft, ohne eine einzige Stütze. An der Bergstation steht das Restaurant Frööd auf 1.680 Metern, modern gebaut, energieneutral, mit regionaler Küche.

Von hier geht es über den Burtscha Trail runter zur Tschengla. Der Trail ist rot, naturbelassen, rund 1,5 Kilometer lang und ein sogenannter Shared Trail. Biker und Wanderer teilen sich den Weg, und Wanderer haben Vortritt. Bei mir standen an dem Tag auch noch Kühe mitten auf dem Trail. Vorfahrt war damit geklärt.

Was mir im Brandnertal besonders aufgefallen ist: Dieses Miteinander funktioniert. Keine Verbotsschilder alle fünfzig Meter, keine Grabenkämpfe. Man grüßt sich, man macht Platz, und alle kommen gut miteinander aus. Davon könnten sich manche Regionen eine dicke Scheibe abschneiden.

Die neue Loischkopfbahn

Herzstück der Folge ist die neue Loischkopfbahn. Bis 2025 standen hier zwei alte Sessellifte, die Einhornbahn II und die alte Loischkopfbahn, teilweise über 25 Jahre alt. Seit Dezember 2025 fährt eine Zehner-Kabinenbahn von Doppelmayr von der Tschengla über eine Mittelstation bis auf den Loischkopf.

Die Eckdaten: 1.708 Meter Länge, 617 Höhenmeter, acht Minuten Fahrzeit und bis zu 3.200 Personen pro Stunde. Angetrieben wird sie mit einem Direktantrieb ohne Getriebe, das macht sie deutlich leiser.

Das Besondere sind die Bike Cabs. Das sind eigene Kabinen nur für Fahrräder, in die du dein Bike in der Talstation selbst einhängst. Bis zu acht Bikes passen in eine Kabine, du steigst in die nächste ein und nimmst dein Rad oben wieder raus. Im Sommer laufen 40 normale Kabinen und 20 Bike Cabs. Doppelmayr, Weltmarktführer im Seilbahnbau mit Sitz in Wolfurt, also gleich nebenan in Vorarlberg, hat das System entwickelt. Den Prototypen gab es 2021 in Sölden, das Brandnertal gehört zu den ersten Bahnen, die es im großen Stil im Regelbetrieb fahren.

Mit 28 Millionen Euro ist die Loischkopfbahn die größte Investition in der Geschichte der Bergbahnen Brandnertal. Das Ziel dahinter: Der Sommer soll künftig 40 statt 25 Prozent vom Umsatz bringen. Und im Alltag merkst du das sofort. Ich habe den ganzen Tag kein einziges Mal angestanden.

Die Trails der Folge

Nach dem kalten Start auf Rot nehme ich die erste Runde im Park ganz bewusst blau. Tschengla Unchained ist die Flowline des Parks: 3,1 Kilometer, 300 Höhenmeter, maschinengebaut, mit Anliegern, Wellen und kleinen Sprüngen, dazu optionale Wallrides und Northshores. Genau die Line, auf der du nach einem Regentag wieder Vertrauen findest, weil die gebauten Trails viel schneller abtrocknen als die Wurzelpassagen.

Dann wird es rot. Tschäck the Ripper ist die Freeride-Line mit 2,8 Kilometern und 300 Höhenmetern, mit mittleren und großen Sprüngen, Step Downs, Hip Jumps und Wallrides, und alles komplett abrollbar. Oben im Loischkopf-Bereich schließt Tscharlie Tschäplin an, ebenfalls rot, 2,8 Kilometer und 310 Höhenmeter. Zusammen ergeben die beiden rund sechs Kilometer Freeride am Stück.

Mit Tschonny Noxwil wird es schwarz. Der Enduro-Trail startet am Loischkopf, ist zwei Kilometer lang, hat 310 Höhenmeter und mündet unten in die Downhill-Strecke Tschack Norris. 2024 wurde er komplett überarbeitet, die schwierigsten Passagen wurden entschärft und der Flow verbessert. Mit dem Analog-Bike spürst du trotzdem jede Wurzel.

Und dann Tschäckie Tschan, schwarz, handgebaut, naturbelassen, mit Wurzelfeldern und superschnellen Richtungswechseln. Genau da hat es mich erwischt. Das Cannondale war für eine enge Kehre zu lang, oder sagen wir es, wie es ist: zu lang für meine Fahrkünste. Das Vorderrad ist abgesackt, und ich lag da. Mir ist nichts passiert, nur der Sattel hat es nicht überlebt. Und endlich hab ich einen Sturz auf Kamera. Die Lehre daraus ist simpel: Schwarz heißt nicht „wird schon“. Bike, Technik und Fahrer müssen zusammenpassen.

Das Auerhuhn bestimmt mit

Am Loischkopf lebt die größte Auerhuhn-Population Vorarlbergs. Der größte heimische Hühnervogel ist extrem scheu und vom Aussterben bedroht, entdeckt wurden die Tiere ausgerechnet bei der Erweiterung des Bikeparks. Statt eines Verbots gab es ein gemeinsames Schutzkonzept von Bergbahnen, Bikepark, Tourismus und einer Wildbiologin. Die Folgen für dich: Einige Trails sind in der Brutzeit von April bis Mitte Juni gesperrt, es gibt eine Wildruhezone mit Wegegebot, die Bikepark-Trails darfst du nur zu den Betriebszeiten fahren, und laute Musik bleibt zuhause. Die neue Bahn durfte nur mit diesem Konzept gebaut werden. So geht Biken und Naturschutz zusammen.

Für Familien, Einsteiger und Wanderer

An der Talstation liegt das Brandolin, ein eigener Kinder- und Übungsbikepark mit vier Übungstrails, einem Förderband und einem Bag Jump. Damit deckt das Brandnertal den kompletten Weg ab, vom ersten Meter auf dem Förderband bis zur schwarzen Enduro-Line. Gleich daneben findest du das Restaurant mit Terrasse und Blick aufs Zielgelände.

Auch ohne Bike lohnt sich der Loischkopf. Von der Bergstation ist es nur ein kurzer, leichter Weg zum Gipfel, auch mit Kindern machbar. Der Rundblick reicht vom Bodensee über den Walgau und das Klostertal bis zum Rätikon und zur Schesaplana, mit 2.965 Metern dem höchsten Gipfel des Rätikons.

Nur ein paar Schritte von der Talstation entfernt liegen außerdem die Steinkreise der Tschengla. Manche halten sie für eine Kalenderanlage aus der Jungsteinzeit, irgendwo zwischen 5.000 und 1.900 vor Christus, und vergleichen sie mit Stonehenge. Kritiker sagen, es sind schlicht Findlinge, die der Gletscher am Ende der Eiszeit liegen gelassen hat. Schau es dir an und entscheide selbst.

Der Heimweg: Parpfienz Trail und Tschoy Ride

Zurück nach Brand geht es nicht mit der Bahn, sondern komplett auf dem Trail. Vom Loischkopf rüber zum Parpfienzsattel, und dann folgt das Finale in zwei Akten.

Der Parpfienz Trail ist blau, naturbelassen, vier Kilometer lang und hat 280 Höhenmeter. Wiesen, Wald, Almen, und unterwegs die Alpe Parpfienz mit frischer Buttermilch und Käse aus eigener Produktion. Danach wechselt der Charakter komplett: Der Tschoy Ride ist ein maschinengebauter Flowtrail, oben als Upper Tschoy Ride in Blau mit zwei Kilometern, unten als Lower Tschoy Ride in Rot mit 1,6 Kilometern. Zusammen verbinden Parpfienz und Tschoy Ride Bürserberg und Brand auf dem Trail, und du rollst fast acht Kilometer am Stück bis direkt an die Dorfbahn.

Während du da runterrollst, liegt hinter dir am Fuß der Schesaplana der Lünersee, 2019 zum schönsten Platz Österreichs gewählt. Auf einer Halbinsel stand dort 1871 die Douglasshütte, eine der ersten bewirtschafteten Schutzhütten der Ostalpen. Als der See 1959 für die Stromgewinnung aufgestaut wurde, verschwand der alte Hüttenplatz unter Wasser. Die Menschen hier haben den Berg also schon immer umgebaut, um raufzukommen oder was draus zu machen: die Walser mit Feuer, die Illwerke mit Beton und jetzt die Bergbahnen mit Bike Cabs.

Gut zu wissen

Der Sommerbetrieb der Bergbahnen Brandnertal läuft 2026 noch bis 18. Oktober, jeweils Freitag bis Sonntag. Alle Sommerbahnen starten um 09:00 Uhr, die letzte Berg- und Talfahrt ist an der Dorf- und Loischkopfbahn um 16:45 Uhr, an der Panoramabahn um 16:30 Uhr. Je nach Witterung können einzelne Bahnen oder Trails gesperrt sein, den aktuellen Streckenstatus findest du auf bikepark-brandnertal.at.

Das Brandnertal ist kein riesiges Gebiet, aber eines, das alles zusammenbringt: eine neue Bahn, die richtig was kann, Trails für jedes Level, einen eigenen Park für Kinder, Almen mit echter Küche und Biker und Wanderer, die sich einfach vertragen. In unserer #MTBlife Folge S04E21 nehme ich dich mit auf die ganze Runde, mit Sonne nach dem Regen, sechs Kilometern Freeride, einem Sturz auf Kamera und einem toten Sattel.

Real Ride. Real Talk. Real Life.

Published by Radical Life Studios / MTB Report


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