Die Nachfrage steigt, der Aufwand wächst – und viele Vereine kämpfen ums Überleben.
Veröffentlicht von den Radical Life Studios / MTB Report
2026 ist das Jahr, in dem man überall spürt, dass die Trailbau-Realität nicht mehr mit dem Boom des Sports mithalten kann. Die Zahl legaler Strecken steigt, die Community wächst, die Ansprüche sind höher denn je – doch viele der Menschen, die diese Infrastruktur tragen, arbeiten im Hintergrund unter Bedingungen, die seit Jahren unverändert sind. Während Industrie, Tourismus und Politik vom Erfolg des Mountainbikens profitieren, stehen die ehrenamtlichen Trailbauer vor der Frage, wie lange dieses System überhaupt noch tragfähig ist.
Die Szene lebt seit Jahrzehnten von Menschen, die ihre Abende und Wochenenden opfern, um Trails in den Wald zu legen, Linien freizuschneiden, Drainagen zu bauen und Schäden nach Unwettern zu reparieren. Doch dieser Einsatz stößt 2026 zunehmend auf strukturelle Probleme. Vereine berichten von rückläufigem Engagement, während gleichzeitig der Wartungsaufwand durch höhere Frequenz, Erosion und extreme Wetterereignisse steigt. Die Nachfrage wächst – die Zahl der aktiven Helfer schrumpft.
Dazu kommt eine Bürokratie, die vielerorts schwer durchschaubar ist. Zwischen Forst, Naturschutz, kommunalen Stellen und privaten Grundstückseigentümern müssen Vereine regelmäßig Genehmigungen neu verhandeln, oft für Trails, die bereits seit Jahren legal betrieben werden. In manchen Regionen dauert eine einzige behördliche Abstimmung länger als der komplette Bau eines Trails. Dieser Verwaltungsaufwand frisst Zeit, Energie und Motivation – und entfremdet viele Menschen, die eigentlich für die Sache brennen.
Hinzu kommt der finanzielle Faktor. Professionelle Trailbauer, Maschinen, Material und Pflege kosten Geld. Vereine versuchen, mit Spenden, Mitgliedsbeiträgen, Fördergeldern oder Tourismuskooperationen gegenzuhalten. Doch mit jedem neuen Trail steigt auch die Verantwortung: Pflege, Versicherung, Haftung, Schulungen, Dokumentation. Viele Vereine berichten, dass sie mehr Zeit vor dem Laptop verbringen als im Wald – ein Zustand, der auf Dauer kaum auszuhalten ist.
Gleichzeitig wächst 2026 die Diskrepanz zwischen Nutzern und Machern. Viele Fahrer wissen nicht, wie viel Arbeit in einem funktionierenden Trail steckt. Der Wunsch nach „mehr Trails“ ist nachvollziehbar, doch ohne systematische Unterstützung bleibt er unrealistisch. Ein gut gebauter, nachhaltiger Trail kostet nicht nur Schweiß und Fachwissen – er verlangt regelmäßige Pflege, die niemand bezahlt und kaum jemand sieht.
In einigen Regionen gibt es erste positive Gegenbewegungen. Kommunen erkennen den Wert eines gepflegten Trailnetzes für Tourismus, Gesundheit und lokale Wirtschaft. Tourismusverbände beginnen, Trailpflege mitzufinanzieren. Und vereinzelt entstehen Kooperationen zwischen professionellen Trailbau-Firmen und ehrenamtlichen Crews, die gemeinsam effizienter arbeiten können. Doch das sind Ausnahmen, keine Regel.
2026 macht deutlich, dass Mountainbiken längst kein Nischensport mehr ist – und dass ein wachsender Sport nicht auf Strukturen der 90er-Jahre gestützt werden kann. Wenn die Politik Trails will, wenn Tourismus Regionen damit bewirbt, wenn Fahrer sie tagtäglich nutzen, dann braucht es ein System, das den Ehrenamtlichen nicht nur dankt, sondern sie entlastet. Mit Geld, mit Personal, mit klaren Regeln und mit echter Anerkennung.
Die Trailbauer haben den Sport dahin gebracht, wo er heute steht. Die Frage ist, ob der Sport es 2026 schafft, etwas zurückzugeben.
Trailbau & Vereine
DIMB TrailRider & Trail-Care Infos:
https://www.dimb.de/trailrules/trailcare/
Schweizer Trailbau-Standards / Trail Academy:
https://www.trailfoundation.ch/
https://www.trailacademy.ch/
Deutschland – Fachinfos, Genehmigungen & Naturschutz
Deutscher Alpenverein – Trailpflege & Naturschutz:
https://www.alpenverein.de/naturschutz/
ForstBW – Wegerecht & Trailprojekte:
https://www.forstbw.de/
Beispiel Schwarzwald Trailkooperationen / Tourismusseite:
https://www.schwarzwald-tourismus.info/
Internationale Trailbauressourcen
IMBA (International Mountain Bicycling Association):
https://www.imba.com/
Trail Solutions / nachhaltiger Trailbau:
https://www.imba.com/trailsolutions
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