Stuttgart feiert sich. Die CDU jubelt auf Instagram, Red Bull bringt Weltklasse-Sport mitten in die Stadt, und alle freuen sich über das tolle Bild, das Stuttgart damit nach außen abgibt. Schön. Wirklich. Aber dann meldet sich Focus Bikes zu Wort und trifft den Nagel auf den Kopf.

Veröffentlicht von den Radical Life Studios / MTB Report

Der Stuttgarter Radhersteller pflichtet der CDU zwar bei, dass das Red Bull Cerro Abajo ein Aushängeschild für Stuttgart werden könne. Aber der „Sportstandort Stuttgart“ dürfe sich eben nicht auf den Lorbeeren der Marketingmaschine Red Bull und den Leistungen einzelner Topfahrer ausruhen. Stattdessen fordert Focus das Naheliegende: Die Legalisierung der bereits vorhandenen, bislang nur geduldeten Trails müsse endlich gemeinsam mit dem Verein Mountainbike Stuttgart vorangetrieben werden. Die einzigartige Topografie der Stadt biete ideale Voraussetzungen für den MTB-Sport und die geballte Kompetenz von Unternehmen wie Paul Lange und Bosch eBike Systems verpflichte dazu, den Sport auch vor Ort sichtbar zu fördern und legale Infrastruktur zu schaffen.

Dem ist nichts hinzuzufügen. Außer vielleicht: Warum ist das so schwer?

Die Antwort liegt in Stuttgart selbst, genauer: im Stuttgarter Landtag. Am 24. Mai 1995 beschloss der baden-württembergische Landtag das Gesetz zur sogenannten 2-Meter-Regel. Seitdem verbietet § 37 Abs. 3 Landeswaldgesetz das Radfahren auf Wegen unter 2 Meter Breite. Baden-Württemberg ist damit das einzige Bundesland in Deutschland, das Radfahren auf schmalen Waldwegen generell verbietet.

Dreißig Jahre lang. Kein anderes Bundesland macht das so. Und es hat sich nichts geändert, obwohl es 2014 eine Petition mit über 58.000 Unterschriften gab. Der Landtag hat diese Petition ohne Begründung abgelehnt.

Nach 30 Jahren lässt sich festhalten: Die 2-Meter-Regel hat sich nicht bewährt. Sie leistet naturschutzfachlich keinen nennenswerten Beitrag zum Naturschutz, ist eine willkürliche Ungleichbehandlung von Radfahrern und Fußgängern, verhindert ehrenamtliches Engagement und sorgt für unnötige Bürokratie. Das Ergebnis ist ein unübersichtlicher Flickenteppich an isolierten Trail-Lösungen in einem Land, das landschaftlich ideale Voraussetzungen für den MTB-Sport mitbringt.

Das ist die Realität hinter dem glänzenden Event-Foto. Während Stuttgart auf der großen Bühne Weltklasse-MTB-Sport inszeniert, fahren die Locals zuhause auf geduldeten Trails, also solchen, bei denen man hofft, dass heute kein Förster vorbeikommt. Das ist keine Grundlage für eine Sportkultur. Das ist Duldung statt Förderung.

Focus Bikes hat recht. Ein Red Bull Cerro Abajo ist toll. Legale Trails wären besser.


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