Der Enduro Weltcup ist tot und das könnte die beste Nachricht des Jahres sein

Veröffentlicht von den Radical Life Studios / MTB Report

Die UCI und Warner Bros. Discovery haben den Stecker gezogen: Ab 2027 gibt es keinen Enduro-Weltcup mehr. Klingt nach einem schlechten Tag für den Sport. Ausgerechnet aus dem Fahrerfeld kommt aber ein anderes Wort dafür, Befreiung.

Am 19. August war Schluss. Die UCI, der Radsport-Weltverband, und ihr Vermarktungspartner Warner Bros. Discovery verkündeten, dass die laufende Saison 2026 die letzte des Enduro-Weltcups in seiner bisherigen Form ist. Die Serie mit ihren Rennen quer über den Globus und einer Gesamtwertung über das ganze Jahr, ab 2027 Geschichte.

Bevor jetzt Panik ausbricht: Enduro verschwindet nicht. Aber was da endet, verdient eine Einordnung, gerade dann, wenn du nicht jedes Wochenende vor dem Livestream sitzt.

Was da eigentlich abgeschafft wurde

Kurz für alle, die mit „EDR“, „EWS“ und „Weltcup“ nicht viel anfangen: Enduro ist die Renndisziplin, die dem am nächsten kommt, wie die meisten von uns tatsächlich Rad fahren. Bergauf wird gekurbelt, aber die Uhr läuft nur bergab und auf den kniffligen Passagen. Wer unten am schnellsten war, gewinnt, Kondition trifft Fahrtechnik.

Die Enduro World Series, kurz EWS, gibt es seit 2013. Vor rund drei Jahren übernahm Warner Bros. Discovery die Vermarktung und schob die Rennen unter das Dach des großen Mountainbike-Weltcups, zusammen mit Downhill und Cross-Country. Genau dieses Weltcup-Konstrukt – mehrere Rennen, eine Saisonwertung – wird jetzt eingestellt. Bleiben sollen allein die Weltmeisterschaften, also je ein Titelrennen pro Jahr.

Warum es scheiterte – und warum das wichtig ist

Hier wird es interessant. Nicht das Format war das Problem. Das Problem war, es zu verkaufen.

Ein Enduro-Rennen ist ein Albtraum fürs Fernsehen: Die Fahrer starten im 30-Sekunden-Takt, verteilen sich über mehrere Berge und Dutzende Kilometer, und bis zur letzten Prüfung weiß niemand sicher, wer führt. Spannend zu fahren, schwer zu übertragen. Offiziell nennen UCI und Warner Bros. Discovery die angespannte Lage der Fahrradbranche und die aufwendige Medienproduktion als Gründe.

Wer sich in den einschlägigen Foren umhört, sieht es schärfer. Der Grundton dort: Es lag nicht am Sport, es lag am Willen. Immer wieder fällt der Vergleich mit anderen Nischen-Events, die es sehr wohl schaffen, rund um die Uhr einen Livestream, Interviews und eine saubere Übersicht auf die Beine zu stellen – kostenlos und ohne Abo. Genau die Bezahlschranke, hinter der viele Rennen verschwanden, gilt vielen als Sargnagel. Wer soll Fan werden, wenn er erst zahlen muss, um überhaupt zuschauen zu dürfen?

Nicht das Format war das Problem. Das Problem war, es zu verkaufen.

Die Fahrer sehen eine Chance

Am deutlichsten wird das bei denen, die es betrifft. Die deutsche Enduro-Fahrerin Raphaela Richter beschreibt, wie überrumpelnd das Aus kam, noch beim Saisonfinale hieß es, 2027 laufe mehr oder weniger identisch weiter. Und trotzdem fällt bei ihr nach dem ersten Schreck ein bemerkenswertes Wort: Befreiung.

„Befreiung“ – so beschreibt eine deutsche Enduro-Fahrerin das Ende der Serie.

Der Gedanke dahinter: Enduro wächst zurück in die Hände derer, die es groß gemacht haben, der lokalen Veranstalter, die ihren Berg und ihr Publikum kennen. Über Jahre klagten Organisatoren über die Auflagen und die steigenden Gebühren des Weltcup-Betriebs. Fällt dieser Apparat weg, bleibt mehr Luft für das, worum es eigentlich geht: gute Strecken, offene Teilnahme, Gemeinschaft.

Crankworx prescht vor, aber langsam

Es dauerte keine 24 Stunden, da meldete sich Crankworx zu Wort, die bekannte Festival- und Rennserie. Für 2027 ist eine eigene, globale Enduro-Serie geplant, der berüchtigte Canadian Open Enduro in Whistler ist bereits gesetzt. Enduro-Legende Greg Callaghan begrüßt den Schritt öffentlich.

Ein wichtiger Punkt, damit hier keine falsche Geschichte entsteht: Crankworx ist nicht der offizielle Nachfolger des UCI-Weltcups. Es ist eine unabhängige Initiative mit auffälligem Timing. Und außer der Richtung ist bislang wenig konkret, kein Kalender, keine Rennzahl, kein Wertungsmodus. Vieles ist Absicht, noch kein Fahrplan. Wir sollten die Serie also nicht größer schreiben, als sie heute ist.

Die Kehrseite

So verlockend das „Zurück zu den Wurzeln“ klingt, es hat einen Preis. Ein internationaler Weltcup bedeutet Struktur: Kalendersicherheit, Sponsorengelder, einen Rahmen, in dem Profis planen können. Fällt er weg, wächst die Sorge, wie sich Athletinnen und Athleten künftig finanzieren. Für die Spitze des Sports ist das kein Randdetail, sondern eine offene Frage. Ehrlich bleibt nur, wer beides benennt: die Chance und das Risiko.

Was sicher ist

Die Weltmeisterschaften bleiben. 2026 steigt die WM vom 16. bis 18. Oktober in der Region Finale in Ligurien, für viele die spirituelle Heimat des Enduro. 2027 geht der Titel in Haute-Savoie über die Bühne, dort, wo gerade das letzte Weltcup-Finale lief. Wie das Jahr dazwischen aussieht, schreiben, zum ersten Mal seit Langem – wieder andere als die UCI.

Und vielleicht ist genau das der Punkt. Enduro war nie der Sport der Hochglanz-Übertragung. Es war immer der Sport vom großen Tag am Berg mit den Kumpels – hochkurbeln, oben sammeln, unten alles geben. Also ziemlich genau das, was die meisten von uns im Bikeurlaub oder im Park ohnehin machen. Wenn die Disziplin dahin zurückfindet, hat sie nichts verloren. Sie hat sich befreit.

MTB Report · Community & Szene · Stand: 25. August 2026


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