Puritan & Heathen sind kein „Trend-Bike“. Das ist ein Statement: weniger System, mehr Bike.
Veröffentlicht von den Radical Life Studios / MTB Report
Die Bike-Industrie liebt große Wörter. Innovation. Next Gen. Smarter. Mehr Sensoren. Mehr Plattform. Mehr „neue Ära“.
Forbidden macht jetzt etwas, das sich fast schon frech anfühlt: Die Kanadier stellen zwei Titan-Hardtails vor – Puritan und Heathen – und sagen damit sinngemäß: Wir können High-Pivot, Idler und Hightech. Aber manchmal ist das Beste am Mountainbike genau das, was nicht dran ist.
Und ja: Das ist eine Gegenbewegung. Nicht gegen Fortschritt – sondern gegen den Reflex, aus jedem Bike ein Elektronik-Projekt mit Wartungs-Abo zu machen.
Warum Titan? Weil „Lifetime-Bike“ nicht nur Marketing sein muss
Forbidden bezeichnet die Rahmen als „limited run“ und ziemlich klar als Bikes, die man „für ein Leben“ behalten kann. Titan passt zu dieser Idee: langlebig, korrosionsresistent, robust – und emotional einfach ein Material, das nicht nach Saisonware aussieht.
Aber: Titan ist auch Boutique. Das ist nicht „günstig und vernünftig“, das ist „ich will das genau so“.
Heathen – das Hardtail für Leute, die Trails lieben (und keine Ausreden)
Das Heathen ist das „richtige“ MTB-Hardtail im Duo: ausgelegt um eine 130-mm-Federgabel, mit flachem 64° Lenkwinkel, steilem Sitzwinkel und dem typischen Forbidden-Fokus auf Proportionen über alle Größen – inklusive stark mitwachsenden Kettenstreben, damit sich das Bike in S1 nicht wie ein anderes Universum fährt als in S4.
Forbidden erklärt den extrem flachen Lenkwinkel bei „nur“ 130 mm ziemlich smart: eine kürzere Gabel taucht weniger tief ein, die Geo bleibt unter Last stabiler – und das Bike soll in steilen Kompressionen ruhiger bleiben.
Preislich ist das ein klares Signal: Rahmenkit 3.199 € (UVP).
Das ist „ich baue mir was fürs Leben“ – nicht „ich will mal reinschnuppern“.
Puritan – ATB statt Schublade: Gravel? 90s-MTB? Pendler? „Ja.“
Das Puritan ist das weirde, charmante Geschwister: ein Titan-ATB (All-Terrain-Bike), ausdrücklich nicht schubladenkompatibel. Flatbar-first, 700c, Platz für dicke Reifen (bis ca. 50 mm / 2.0″), gedacht für alles zwischen Alltag, Tour, Waldweg und „ups, da ist doch Singletrail“.
Im offiziellen Paket ist beim Puritan sogar eine RockShox Rudy (50 mm) plus Headset dabei – und Forbidden sagt ziemlich deutlich: Dropbar geht, aber das Ding ist für Flatbar gebaut. Preis €3.999 (inkl. VAT).
Und jetzt zur eigentlichen Story: Warum das gerade jetzt passiert
Weil die Szene 2026 zwei Dinge gleichzeitig fühlt:
1) Technik-Müdigkeit.
Viele Rider feiern Innovation – aber sie sind allergisch gegen „Innovation um der Innovation willen“. Wenn alles teurer, komplizierter und empfindlicher wird, wächst die Sehnsucht nach Bikes, die man einfach fährt.
2) Identität.
Ein Hardtail ist wie ein ehrlicher Spiegel: Linie, Körper, Timing. Nichts kaschiert. Und genau deshalb wirkt so ein Titan-Hardtail plötzlich wie ein Statement gegen den Showroom-Overkill.
Forbidden spielt diese Karte nicht als Retro-Gag – sondern als klare Erzählung: mechanischer Minimalismus, aber in modern und aggressiv.
Community-Vibe: Bock – aber mit dem üblichen „Ja, aber…“
In den Diskussionen und Kommentarspalten ist der Grundton ziemlich eindeutig: Viele feiern die Idee (Hardtail, Titan, simpel, „für immer“). Gleichzeitig kommen die typischen Realitätschecks sofort hinterher: Preis, Verfügbarkeit (limited run), und die Frage, ob Titan für den Alltag wirklich „vernünftiger“ ist – oder eher ein Luxus-Statement für Leute, die genau das wollen.
Und ganz ehrlich: Beides stimmt ein bisschen. Aber genau deshalb ist diese Nummer interessant.
Forbidden droppt nicht einfach zwei Rahmen. Sie droppen eine Haltung:
Wenn die Industrie wieder in Richtung Hightech-Zirkus rennt, erinnert so ein Titan-Hardtail daran, warum Mountainbiken überhaupt funktioniert: ein Bike, ein Trail, ein Mensch – fertig.
Wenn das 2026 ein Trend wird, dann ist es einer der gesünderen.
- Der Blindsee-Trail ist gerettet. Zeit, über uns selbst zu reden.
- Meine Nummer 1 wackelt – Die #MTBlife Bikepark-Charts kommen! | S04E15
- D’ Stäffele nonder: Die Downhill-WM jagt über die Treppen, die für uns eigentlich verboten sind
- Avinox muss drosseln, Bosch sitzt schon auf der Grenze: Der 750-Watt-Streit im E-MTB-Rennsport
- Waldbrand im Emser Bikepark: Northshore 1 schwer getroffen und eine Szene, die zusammenrückt
- Paganella Teil 1: Der neue TOP GUN Trail & warum ich den Gardasee sausen ließ | #MTBlife S04E13
- Molveno: Ein Tag am schönsten See Italiens
- Accell-Übernahme geplatzt: Was jetzt aus Haibike, Ghost, Winora und Lapierre wird
- Santa Cruz Blur 5 gegen Specialized Epic 9: Das reinrassige XC-Bike stirbt aus und keiner soll es merken
- 1 Prozent? Warum die Shimano-Erhöhung dich mehr kostet, als die Schlagzeile verspricht
- Millionen mit Trails – und warum NRW gerade noch die Kurve kriegte
- Bikepark Petzen: Ist der 11,5 km Flow Country Trail wirklich der längste Flowtrail Europas?

























One response
[…] Veröffentlicht von den Radical Life Studios / MTB Report […]